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| Verhängnisvolle Motivsuche Es war im Spätsommer, die Wiesen und Felder waren in warmes Licht getaucht. Der kleine Ort am Fuße der Bischofsmütze lag zum Greifen nahe. Das nächtliche Gewitter hatte die Luft gereinigt. Es war rein und klar ein Wetter, wie sich dies der Landschaftsfotograf erträumt. Keine Kräne, keine Baugerüste verunstalteten den lieblichen Ort also ideale Bedingungen, um eine brauchbare Aufnahme zu machen, eine, die ein paar Jahre im Programm bleiben wird. Ich stieg den steilen Grashang hinauf. Etwas beschwerlich mit dem vollbepackten Rucksack. Noch ein paar Meter ach, vielleicht noch 10 m weiter oberhalb, dort wird der Überblick noch besser sein. Eventuell als Vordergrund das Laub der grünen Sträucher dort. Doch ein Stacheldrahtzaun wollte mir den idealen Standpunkt für meine Aufnahme verwehren. Geübt mit solchen Hindernissen kroch ich unten durch. Mit Kamera, samt Weitwinkel, stapfte ich weiter bergwärts diesmal verkehrt, um ja den besten Standpunkt sofort zu erkennen. Hier passt es Ein paar Haselnusssträucher seitlich ins Bild gesetzt etwas Schatten im Vordergrund, um den farblichen Kontrast des Wiesengrüns zu beleben. Alles passte. Eile war geboten, da sich eine Wolke Richtung Berggipfel bewegte. Plötzlich jedoch hörte ich ein dumpfes Geräusch hinter mir, besser ein Getrampel. Ich ahnte nichts Gutes. Drei Jungstiere hatten sich aus der Herde aufgemacht, um diesen Eindringling zu begutachten. Ich befand mich also auf Weidegebiet an und für sich nichts Ungewöhnliches oder Gefährliches. Doch diese drei Rindviecher galoppierten und sprangen in vollem Übermut, den Schwanz in der Höhe, den Wiesenhang herunter. Mir wurde äußerst mulmig und ich dachte sofort an die Stierkämpfe in der Arena, an die Toreros, die nicht immer siegreich davonkamen. Mein einziger Gedanke war FLUCHT! Nur hinunter, so schnell es geht und Zuflucht hinter den verzweigten Sträuchern suchen. Doch weit gefehlt. Die drei hatten ihren Spaß an der Jagd entdeckt und nahmen die Verfolgung auf. Einer links, einer rechts und einer zwischen den Sträuchern. Hinter mir der Stacheldraht. An ein Durchkriechen war nicht zu denken wäre zu mühselig und zeitaufwendig gewesen. Also kletterte ich, besser sprang ich eine Hand am Holzpfahl haltend, die andere die Kamera umklammernd über den Stacheldraht. Meine geplante Flucht ging aber im wahrsten Sinne des Wortes in die Hose. Ein Hosenbein grob gewebtes Naturleinen blieb am Draht hängen und ich fiel kopfüber auf die andere Seite ein Bein in der Höhe, gefangen am spitzen Draht. Dies wäre alles nicht so schlimm gewesen wären nicht Steine sicherlich vom Einschlagen des Holzpflockes im Gras gelegen. Kaum befreit von meiner misslichen Lage, verspürte ich ein warmes Rieseln vom Kopf herunter. Seitlich über dem Ohr musste es mich getroffen haben. Das helle T-Shirt bekam ein auffallendes rotes Muster ich musste an den Maler Nitsch denken. Vielleicht entstand ein Kunstwerk eine Entschädigung für das Missgeschick. Schmerzen verspürte ich keine, der Schock war größer. Auch die drei wilden Stiere auf der anderen Seite des Zaunes standen verdutzt da, die Jagd war beendet ebenso der verheißungsvolle Fototag. Gott sei Dank die teure Kamera hatte nichts abbekommen.Die Platzwunde wurde mit sieben Stichen verarztet. Jetzt decken die rot gefärbten Haare die kahle Stelle zu. In Zukunft aber führe ich bei Landschaftsaufnahmen immer einen dicken Haselnussstecken mit man weiß ja nie! | |